aus Versehen Zugspitze

aus Versehen Zugspitze
 
Ein Ziel, Ein Vorhaben, Ein Versuch, ein erfolgreiches Versehen.
Als Kind war ich mit meinen Wandergeilen Eltern schon viel in den Alpen und der Hohen Tatra unterwegs. Damals hielt sich meine Begeisterung für diese Torturen in Grenzen. „man musste halt mit“.
 
Heutzutage sieht das ganz anders aus. Meine Interessen haben sich begünstigt durch meinen Umzug nach Bad Tölz noch mehr zum Gebirge hin verlagert. Jetzt bin ich nicht nur im Winter als Übungsleiter Ski-Alpin sondern auch als Wanderer bzw. Bergsteiger unterwegs. Als Übungsleiter liegt mir mein eigenes Training natürlich auch nahe. Da eine Leistung in der Regel, von sprachgebräuchlichen Sprüngen abgesehen nur ansteigen, kann setzte ich mir meine Trainingsziele nach und nach höher.
 
Mein Ziel für das Jahr 2007 war die Alpspitze im Karwendelgebirge.
Vorgenommen hatte ich mir diesen von unter auf jeden Fall wunderschönen Anblick uns Ausblick schon lange. Ausschlaggebend für den entgültigen Entschluss war ein Artikel im „Tölzer Kurier“.
Eine einfache Tourenbeschreibung von der Deutschen Seite aus. Für die Beschriebene 10 Stunden Tour reine Gehzeit für Auf- und Abstieg  hatte ich mich mehr als ausreichend gerüstet. Inklusive Klettergurt und Expressschlingen , 4Liter Flüssigkeit und Nahrung für 2Tage, doppelt Kleidung und Regenkleidung, Decke mit iso,... war ich notfalls gerüstet auf dem Berg zu bleiben falls mich die Kräfte bei diesem bisher für mich größten Anstieg verlassen.
 

Am 25.08.2007 ,  7:30Uhr – mindestens  eine Stunde später als geplant Startete ich in Hammersbach bei Partenkirchen gen Höllentalklamm wie im Artikel beschrieben. Lange Hosen trage ich outdoor generell aber den Pullover zog ich mir dann auch noch über. Früh am Morgen und durch den Wald der sich von dem Höllentalbach nährt war es nebelbildend kalt.

Am Höllentalbach durch den Wald

 Am Bach des Höllental`s durch den Wald.

Der Weg zieht sich anfangs entspannt am Bach entlang, wird aber schnell steiler und man ruft sich die bevorstehenden 10Stunden (reine Gehzeit) automatisch in Erinnerung. Jetzt überlegte ich schon ob ich es lieber zu schwitzen zu vermeiden versuche um meine Kleidung trocken zu halten. Denn so früh am Morgen gleich derartige Anstiege bringen mich schnell zum schnaufen.

Bevor man für einen kleinen Beitrag das Tor zur Höllentalklamm durchtreten darf lohnt sich ein Blick zurück auf das bereits geschaffte unbedingt. Denn hier hat man schon ein ganzes Stück geschafft. Die Zivilisierte Welt scheint im Rücken zu verschwinden. Oder Ich ihr.:

 

Die Sonne wirft noch einen kalten Schatten in Tal.

 

Die Höllentalklamm beginnt mit einem kleinen unscheinbarem zieht sich lang durch den Berg. Der Pfad ist nahezu durchweg nass, zieht sich durch den Fels und von der Klamm an sich bekommt man meist nur das sehr laute Getöse mit. Es ist immer noch sehr kalt.

 

Rechts von Eingang steht ein alter Generator  zur Energiegewinnung aus Wasserkraft.

Ich bin nur 1,68m, aber hier musste selbst ich teilweise den Kopf einziehen.

 

Alles in allem kann ich diese Klamm als einziges Ziel nicht empfehlen. Bei mir lag es halt auf dem Weg. 

Umso mehr Begeisterung fand ich am Ausgang und im weiteren Verlauf. Eine wahre Offenbarung lag vor mir und ich ging direkt hinein. Ein Gefühl von zurückgewonnener Freiheit. Abgeschüttelte erdrückende Bedrängnis weicht einem sich vor mir öffnendem Tal. Die Baumgrenze musste erreicht sein und ich sah die ersten sonnen strahlen über den Grat kommen und mit dem Schatten um die Gunst des Betrachters ringt. Hier beginne ich zu genießen. Zum einen bedauerlich das meine Ela nicht dabei sein Kann. Zum anderen Sauge ich diesen und weiter Momente auf wie ein trockener Schwamm Wasser. Diese Momente gehören mir allein und ich weis Ihren Wert dafür zu schätzen.

 

 

 

Der Weg verengt sich vorrübergehend noch einmal wobei er hier den Ersten Ausblick auf ein potentielles Ziel gibt. Motivation!

 

 

Es dauert aber nicht lang bis sich das Blickfeld wieder weiten darf. Die Optik bekommt jetzt richtige Gewissensbisse da sie sich kaum entscheiden kann wohin sie jetzt ihr Augenmerk richten soll und welche Eindrücken aus Zeitgründen unbemerkt bleiben müssen.

 

 

 

Spätestens jetzt – an der Höllentalangerhütte – ist es Zeit für die erste Rast. Den Gedanken an noch viele Stunden weitere Bergwanderei lassen mich hier kräftig zuschlagen und der Kaffe am Morgen darf bei mir nicht fehlen.
 
An der Hütte steht ein Wegweiser Richtung Alpspitze welchem ich dann zielstrebig folgte. Hier ein sehr angenehmer Weg zwischen leichtem Gehölz mit leichtem Anstieg. Die Sonne hat hier inzwischen genug Platz gefunden sich auszubreiten und trocknet meinen schwarzen „Völkl Pullover“ welchen ich dazu auf meinem Tatonka Rucksack ausgebreitet hatte.

Das waren dann auch definitiv erst mal die letzten nennenswerten Pflanzen auf dem Weg zum Gipfel. Der Weg wird immer mehr zur Schotterpiste.  Links und Rechts türmen sich die Grate auf und und scheinen mir Ihre Grenzen demonstrieren zu wollen. Und so ist es auch. Es gibt keinen Ausweg – entweder nach oben oder nach Hause. 

Aber ein Blick zurück zur  Höllentalangerhütte am „Taldelta“ ist gestattet bevor es über einen kurzen aber schon recht steilen Klettersteig nach oben geht. Ca.15-20m fast senkrecht eine in den Fels geschlagene Eisenleiter mit Stahlseilsicherung. Wer ohne Sicherung unterwegs ist sollte hier umkehren. Auch die Schwindelfreiheit wird gleich mit überprüft denn im Anschluss darf man eine wagerechte künstliche Leiter in schwindelerregender Höhe meistern. 

 


 

 

Bald darauf  erkennt man wie schnell man nun an Höhe gewinnt. Es ist schon ein Stück zwang nötig den immer herrlicher werdenden Blick vom Tal zu trennen und dem Ziel zuzuwenden. Langsam kamen Zweifel auf ob der heutige Tag ausreicht.Denn die Zeit läuft und der Schwierigkeitsgrad nimmt zu. Wolken kommen auf.

 

 

Jetzt zeigt sich das erste mal etwas, was auch auf der neu gekauften Karte nicht eingezeichnet war. Zumindest nicht da wo ich glaubte zu sein. Ich könnte nur vermuten dahin zu kommen wo dieser Beitrag nun hinführt. Glauben konnte ich es allerdings nicht.

Die folgenden Bilder sprechen für sich...

 

 


 


 

 

Dieser sehr lange, angsteinflößende und ganz und gar nicht ungefährliche Klettersteig stand auch weder auf meiner Karte noch in dem Artikel des Tölzer Kuriers. Auch von dem vorrangegangenen Gletscherfeld war nie die Rede gewesen.

 

Hinzuzufügen sei das ca. 1/2h-1h nach der Höllentalangerhütte ein Wegweiser stand. Dieser zeigte nach rechts Richtung Zugspitze. Da die Alpspitze in dieser Richtung links von der Zugspitze gelegen ist hielt ich mich auch links. Spätestens jetzt ist euch Lesern klar worauf die Sache hinaus läuft.

 

 

An dieser Stelle ca. 50-100 Höhenmeter vor dem vermeintlichen Ziel begab es sich das ein weiterer „Bergsteiger“ mit mir Rast machte. Hier war eine ungefährliche Stelle wo man ausnahmsweise auch mal ohne Sicherung bleiben konnte. Dieser Typ hatte nichts dabei außer sich und seine Bergstiefel, einen kleinen Rucksack und einen halben Liter Flüssigkeit den er längst aufgebraucht hatte. Ich füllte ihm einen weiteren von mir ab. Beide erschöpft lies ich Ihn da er völlig ungesichert ging vor mir her steigen. Als er dann irgendwann sagte da sitzen welche auf der Terrasse mit nem Weisbier in der Hand dacht ich jetzt haucht`s ihm völlig aus.

Doch da saßen tatsächlich welche. Ein Gipfel, Ein Gipfelhaus und eine Bahn.

 

 

 

 

Ich fragte einen weiteren Steiger wo denn die Bahn hinführe. Er antwortete nach Ehrwald. Fragezeichen in meinem Kopf.

Ehrwald liegt auf der Österreichischen Seite. Ich hatte keine Ahnung wie ich von Österreich nach Hammersbach/Deutschland kommen sollte. Der gleiche Weg zurück wäre nicht möglich gewesen. meiner Karte führte auch keine Bahn nach Ehrwald. Am Gipfelhaus konnte ich ein Schild ausmachen: “Münchner Haus“

 

 

 

Dies fand ich auf meiner Karte dann auf der Zugspitze. Dies immer noch nicht ganz glaubend hielt ich wenigstens ein Gipfelbier für angemessen. Schließlich hatte ich mein Ziel in 7Stunden um rund 600 Höhenmeter überschritten.  Tja das Feiern war mir nicht gegönnt da ich nach Gipfelrast, Ausschauhalten und Situation klären 16:05Uhr an die Theke kam. Leider haben diese von 16:00Uhr bis 17:00Uhr Pause/geschlossen und die letzte Bahn fährt 17:00Uhr.

 


 Dieser Rabe schien mir sagen zu wollen: „Mir geht’s genau so“.
Aber unvergesslich bleibt dieses Erlebnis auch ohne Gipfelbier.

 

Nach noch einmal ca.3/4 Stunde Schwebe und Zahnradbahn am Parkplatz Hammersbach angekommen lohnt ein Blick zurück auf den Weg der hinter mir liegt. Die Natur schließt das Tal förmlich ab. Ich hätte an diesem Tag und sicher auch den nächsten keinen weitere Versuch gestartet. Von diesem Ergebnis kann ich noch eine Weile zehren. Natürlich steht im nächsten Jahr aus den Abzweig auf die Alpspitze zu finden.

 

 

 

 

 

In diesem Sinne

Glück auf und Bergmanns Heil

 

 

Autor: Falko Schletter

Bilder: Falko Schletter